Sales-Ready vs. Marketing-Qualified: Warum diese Unterscheidung Ihre Pipeline zerstören kann

Christoph Sauerborn

CEO der Brixon Group und Erfinder des 10 To 100 Leads Systems. Spezialisiert auf systematische B2B-Leadgenerierung für Unternehmen im Mittelstand mit 10-100 Mitarbeitern. Zuvor Experte für Fertigungsdigitalisierung bei Bosch und Software-Unternehmer.

Das Problem mit starren MQL/SQL-Definitionen

Sie kennen das: Marketing liefert hunderte von Leads, Sales schaut sie sich an und winkt müde ab. „Nicht qualifiziert“, heißt es dann. Oder umgekehrt: Sales beschwert sich über Lead-Qualität, während Marketing stolz seine MQL-Zahlen präsentiert.

Die klassische Unterscheidung zwischen Marketing-Qualified Leads (MQL) und Sales-Qualified Leads (SQL) sollte ursprünglich für Klarheit sorgen. Tatsächlich aber schafft sie oft mehr Probleme als sie löst.

Warum?

Weil sie auf einem grundlegenden Missverständnis basiert: Der Annahme, dass sich Kaufbereitschaft in klar abgrenzbaren Phasen bewegt. Dass es einen magischen Moment gibt, in dem ein Lead von „noch nicht reif“ zu „jetzt bereit“ wechselt.

Die Realität im B2B-Sales sieht anders aus

B2B-Kaufentscheidungen folgen keinem linearen Weg mehr.
.

Ihre potenziellen Kunden sind heute überall gleichzeitig: Sie lesen Ihre Blogartikel, vergleichen auf Review-Plattformen, diskutieren intern über Lösungen, besuchen Ihre Pricing-Seite – und das alles ohne klare Reihenfolge.

Doch viele Unternehmen halten an starren Definitionen fest:

  • MQL = Lead hat Formular ausgefüllt und Score von 50+ erreicht
  • SQL = Lead wurde von SDR kontaktiert und Meeting gebucht

Das Problem dabei? Diese Definitionen ignorieren den Kontext komplett.

Was starre Definitionen übersehen

Ein Geschäftsführer, der Ihre Pricing-Seite mehrfach besucht und Ihre Case Studies durchgearbeitet hat, ist möglicherweise kaufbereiter als ein Junior Marketing Manager, der ein eBook heruntergeladen hat – selbst wenn letzterer formal die MQL-Kriterien erfüllt.

Doch in vielen Systemen wird der Geschäftsführer ignoriert (keine Form ausgefüllt = kein MQL), während der Junior Manager als „qualifiziert“ weitergeleitet wird.

Das führt zu Reibungsverlusten an der kritischsten Stelle Ihrer Pipeline: Dem Übergang von Marketing zu Sales.

Genau hier entstehen die größten Verluste. Nicht weil Ihre Teams schlecht arbeiten, sondern weil das System selbst fehlerhaft ist.

Die versteckten Kosten der MQL/SQL-Trennung

Schauen wir uns die Zahlen an – und die sind ernüchternd.

Die Conversion-Rate-Realität

Im Jahr 2025 variieren MQL-zu-SQL-Conversion-Raten zwischen 12% und 21% je nach Branche, wobei Top-Performer mit fortgeschrittenem Lead Scoring Raten von bis zu 40% erreichen.

Anders ausgedrückt:
Die durchschnittliche Conversion-Rate von MQL zu SQL liegt bei etwa 13%.
Das bedeutet, dass 87% Ihrer als „qualifiziert“ eingestuften Marketing-Leads nie zu Sales-Qualified Leads werden.

Noch drastischer wird es, wenn man den kompletten Funnel betrachtet:
Rund 98% der Marketing-Qualified Leads werden niemals zu zahlenden Kunden – das bedeutet, nur 2 von 100 MQLs werden tatsächlich zu Kunden.

Lassen Sie das kurz auf sich wirken: 98% Ihrer „qualifizierten“ Marketing-Leads führen zu nichts.

Wo genau geht der Lead verloren?

Die Reibungsverluste entstehen an mehreren Stellen:

1. Definitionsunterschiede

Etwa die Hälfte der Sales- und Marketing-Teams verfügt über eine gemeinsame Definition dessen, was einen Lead ausmacht.

Marketing definiert „qualifiziert“ anders als Sales. Das führt zu endlosen Diskussionen darüber, wer nun eigentlich Recht hat.

2. Tracking-Lücken

Leads werden zwischen den Abteilungen verloren, wobei regelmäßige Prozess-Audits den Verlust reduzieren können.

Leads fallen durchs Raster, weil niemand wirklich trackt, was zwischen Marketing-Übergabe und Sales-Kontakt passiert.

3. Timing-Probleme

Schnelle Kontaktaufnahme erhöht die Conversion-Rate deutlich
– aber viele MQLs warten Tage oder Wochen auf eine Reaktion.

Warum? Weil Sales die Leads nicht als „wirklich qualifiziert“ ansieht und sie entsprechend niedrig priorisiert.

Der finanzielle Impact

Rechnen wir das mal für ein typisches mittelständisches B2B-Unternehmen durch:

Metrik Szenario A: Starre MQL/SQL-Trennung Szenario B: Flexibles Framework
Monatliche MQLs 500 500
MQL→SQL Conversion 13% (65 SQLs) 25% (125 SQLs)
SQL→Opportunity 40% (26 Opportunities) 50% (63 Opportunities)
Durchschn. Deal Value 15.000€ 15.000€
Monatlicher Pipeline-Wert 390.000€ 945.000€

Der Unterschied? Über eine halbe Million Euro Pipeline-Wert pro Monat. Nur durch eine bessere Qualifizierungsmethodik.

Aber es geht nicht nur um verlorene Pipeline. Es geht auch um verschwendete Ressourcen.

Die unsichtbaren Kosten

Die Mehrheit der MQLs konvertiert nicht zu Verkäufen aufgrund schlechter Nurturing-Prozesse, während Vertriebsmitarbeiter häufig einen großen Teil der von Marketing gesendeten Leads ignorieren.

Das bedeutet:

  • Marketing investiert Budget in Leads, die Sales nicht ernst nimmt
  • Sales verschwendet Zeit mit Leads, die nicht wirklich bereit sind
  • Hoch-qualifizierte Leads werden übersehen, weil sie nicht ins starre Schema passen
  • Beide Teams frustriert arbeiten und sich gegenseitig die Schuld zuschieben

Die gute Nachricht? Es gibt Alternativen. Und die funktionieren nachweislich besser.

Alternative Modellierungen: Wege aus der Pipeline-Falle

Die starre MQL/SQL-Trennung ist nicht in Stein gemeißelt. Immer mehr erfolgreiche B2B-Unternehmen verabschieden sich von diesem Modell und setzen auf flexiblere Ansätze.

Die drei vielversprechendsten Alternativen sind:

  • Account-Based-Scoring – Der Fokus verschiebt sich vom Individuum zum Account
  • Intent-basierte Qualifizierung – Kaufbereitschaft wird anhand von Verhaltenssignalen gemessen
  • Hybride Ansätze – Marketing und Sales definieren Qualifizierungs-Kriterien gemeinsam

Jeder dieser Ansätze adressiert die fundamentalen Schwächen des klassischen MQL/SQL-Modells – aber auf unterschiedliche Weise.

Warum alternative Modelle besser funktionieren

Der entscheidende Unterschied: Sie basieren nicht auf starren Punktesystemen oder festgelegten Formular-Downloads, sondern auf tatsächlichen Kaufsignalen und Account-Kontext.

Statt zu fragen „Hat dieser Lead genug Punkte gesammelt?“ fragen sie:

  • „Zeigt dieser Account ernsthaftes Kaufinteresse?“
  • „Welche Signale deuten darauf hin, dass jetzt der richtige Zeitpunkt für ein Gespräch ist?“
  • „Wie können Marketing und Sales gemeinsam entscheiden, wann ein Lead bereit ist?“

Das mag subtil klingen, macht aber einen enormen Unterschied in der Praxis.

Der Paradigmenwechsel: Von Leads zu Accounts

Das Problem mit traditionellem Lead Scoring ist, dass man im B2B oft an Unternehmen verkauft, nicht an Einzelpersonen – ob eine Person ein Whitepaper herunterlädt oder Ihr kostenloses Produkt nutzt, sind Signale, die in einen Score einfließen sollten, der sich auf das Unternehmen bezieht, für das sie arbeiten.

Dieser Shift von Lead-basiertem zu Account-basiertem Denken ist fundamental. Er erkennt an, dass B2B-Kaufentscheidungen von Buying Committees getroffen werden, nicht von Einzelpersonen.

Schauen wir uns jetzt die einzelnen Modelle im Detail an.

Account-Based-Scoring: Der Paradigmenwechsel

Account-Based-Scoring dreht die traditionelle Lead-Qualifizierung auf den Kopf. Statt einzelne Kontakte zu bewerten, bewertet es ganze Accounts – und zwar basierend auf aggregierten Signalen aller Stakeholder innerhalb des Unternehmens.

Wie Account-Based-Scoring funktioniert

Account Scoring ist der datengesteuerte Ansatz, den B2B-Revenue-Teams verwenden, um Zielaccounts basierend auf ihrer Wahrscheinlichkeit zu bewerten, zu ranken und zu priorisieren, hochwertige Kunden zu werden – eine quantifizierbare Methode, Tausende möglicher Accounts in eine priorisierte, umsetzbare Liste zu filtern, mit der Sales arbeiten kann.

Stellen Sie sich vor: Ihr Unternehmen wird von fünf verschiedenen Personen aus demselben Zielunternehmen besucht. Der CTO schaut sich Ihre technische Dokumentation an, der CFO besucht die Pricing-Seite, ein Entwickler testet Ihre Demo, der VP Operations lädt Case Studies herunter, und der CEO liest Ihren Blog über ROI-Berechnung.

Im klassischen MQL-Modell? Fünf separate Leads mit unterschiedlichen Scores, die möglicherweise nie als zusammengehörig erkannt werden.

Im Account-Based-Scoring? Ein hochqualifizierter Account mit starken Kaufsignalen auf allen Ebenen der Entscheidungshierarchie.

Die drei Dimensionen des Account-Scoring

Ein umfassendes Account Scoring vereint Fit, Intent und Engagement – diese Kombination stellt sicher, dass Ihr Scoring-Modell sowohl langfristiges Potenzial als auch kurzfristige Kaufbereitschaft widerspiegelt, während Sales immer die aktuellste Sicht darauf hat, welche Accounts aktiv werden.

1. Fit-Score: Passt der Account überhaupt?

Ein Fit-Score zeigt an, ob ein Unternehmen gut geeignet ist, Ihr Kunde zu werden – er wird mit Fit-Daten berechnet: Details, die das firmographische Profil eines Unternehmens ausmachen, wie Branche, Land und Mitarbeiterzahl, und kann auch Bedingungen über die Rolle oder Abteilung einer einzelnen Person enthalten.

Beispiel-Kriterien für Fit:

  • Unternehmensgröße: 50-500 Mitarbeiter
  • Branche: SaaS, IT-Services, E-Commerce
  • Umsatzvolumen: 5-50 Mio. €
  • Technologie-Stack: Nutzt Salesforce, HubSpot oder ähnliche Tools
  • Standort: DACH-Region

2. Intent-Score: Zeigt der Account Kaufinteresse?

Intent-Scores basieren auf Intent-Daten, die aus Verhaltensweisen gesammelt werden, die Interesse und Engagement signalisieren – zum Beispiel eine Hand-Raise (Anfrage für ein Sales-Gespräch), die Nutzung Ihres Freemium-Produkts, das Lesen Ihrer eBooks oder Website-Besuche, wobei Website-Aktivität eine großartige Quelle für Intent-Daten ist.

Intent-Signale können sein:

  • Mehrfache Besuche der Pricing-Seite in kurzer Zeit
  • Download von mehreren Case Studies
  • Teilnahme an Webinar
  • Recherche von Wettbewerbern auf Third-Party-Plattformen
  • Engagement mit E-Mail-Kampagnen

3. Engagement-Score: Wie intensiv ist die Interaktion?

Dieser Score misst die Tiefe und Qualität der Interaktion. Nicht jeder Website-Besuch ist gleich viel wert.

Besucher-Website-Aktivität, einschließlich Mausbewegungen und Klicks auf einer Webseite, signalisiert tieferes Engagement – ein Besucher erkundet Seiten auf Ihrer Website, wobei jede Seite unterschiedliche Gewichtung hat, wie von Ihnen definiert, und ein Besucher, der aktiv Website-Inhalte betrachtet statt einer inaktiven Session, löst ein wichtiges Intent-Signal aus.

Praktische Implementierung: Ein Account-Scoring-Modell

So könnte ein einfaches Account-Scoring-System aussehen:

Account-Score Kriterien Aktion
Hot (80-100) Hoher Fit + Hoher Intent + Mehrere Stakeholder aktiv Direkter Outreach durch Account Executive
Warm (50-79) Mittlerer bis hoher Fit + Moderater Intent SDR-Kontaktaufnahme + Account-spezifisches Nurturing
Cool (25-49) Guter Fit + Niedriger Intent ODER Schlechter Fit + Hoher Intent Automatisierte Nurturing-Kampagnen
Cold (0-24) Niedriger Fit + Niedriger Intent Generelle Marketing-Kommunikation oder aus Pipeline entfernen

Die Vorteile in der Praxis

Im B2B haben Sie oft mehrere Personen desselben Unternehmens, die Ihr Produkt evaluieren – ein fortgeschrittener Ansatz (manchmal Account Scoring oder Product Qualified Account genannt) ist es, Nutzungssignale auf Account-Ebene zu aggregieren.

Das bedeutet konkret:

  • Sie verpassen keine Opportunities mehr, nur weil einzelne Kontakte unter dem MQL-Threshold bleiben
  • Sie erkennen Buying Committees frühzeitig und können alle Stakeholder gezielt ansprechen
  • Ihre Sales-Gespräche sind kontextreicher, weil Sie die gesamte Account-Aktivität kennen
  • Marketing und Sales sprechen über dieselben Accounts, nicht über verschiedene Leads

Aber Account-Based-Scoring ist nur eine Alternative. Schauen wir uns Intent-basierte Qualifizierung an.

Intent-basierte Qualifizierung: Kaufbereitschaft statt Checkboxen

Wenn Account-Based-Scoring die Perspektive verschiebt (von Leads zu Accounts), dann verschiebt Intent-basierte Qualifizierung den Fokus: Von Demografie und Firmographie zu tatsächlichem Verhalten.

Die zentrale Frage lautet nicht mehr „Erfüllt dieser Lead unsere Kriterien?“, sondern „Zeigt dieser Prospect gerade aktiv Kaufbereitschaft?“

Was ist Intent-basierte Qualifizierung?

Intent-Daten gehen über einfache Website-Besuche hinaus und bieten tiefe Einblicke in die Kaufabsicht eines Prospects – sie analysieren vielfältige Online-Verhaltensweisen, einschließlich Content-Downloads, Registrierungen für Whitepapers, Besuche auf lösungsbezogenen Webseiten und sogar Interaktionen mit Wettbewerber-Content, was Ihnen ermöglicht, Prospects zu identifizieren, die aktiv Lösungen wie Ihre recherchieren.

Stellen Sie sich vor: Ein Geschäftsführer eines mittelständischen Maschinenbau-Unternehmens (Ihr ideales Kundenprofil) verhält sich in den letzten 48 Stunden wie folgt:

  • Besucht Ihre Website 4x, davon 2x die Pricing-Seite
  • Verweildauer auf Case Study: 8 Minuten
  • Lädt Produktvergleichs-PDF herunter
  • Klickt auf E-Mail mit „ROI-Kalkulator“
  • Third-Party-Intent-Signal: Recherchiert „Marketing Automation B2B“ auf Capterra

Im klassischen Lead-Scoring-Modell bekommt er vielleicht 45 Punkte – zu wenig für ein MQL (Threshold: 50). Er bleibt im Nurturing.

Bei Intent-basierter Qualifizierung? Ein deutliches „Sales Ready“-Signal. Dieser Prospect ist kaufbereit. Jetzt.

Die zwei Arten von Intent-Daten

First-Party-Intent-Daten sind vorteilhaft zur Identifizierung von Sales-Qualified Leads, weil sie sich spezifisch auf die Interaktionen eines Prospects mit Ihrem Unternehmen beziehen und anzeigen können, wie wahrscheinlich ein Kauf von Ihrem Unternehmen ist – Third-Party-Intent-Daten hingegen werden aus externen Quellen gesammelt und zeigen mehr über das breitere Online-Verhalten eines Prospects, einschließlich welche Lösungen er recherchiert und welche anderen Websites er besucht.

First-Party-Intent-Daten (von Ihren eigenen Systemen):

  • Website-Verhalten: Besuchte Seiten, Verweildauer, Click-Pfade
  • E-Mail-Engagement: Öffnungsraten, Klicks, Antworten
  • Content-Konsum: Welche Ressourcen wurden heruntergeladen?
  • Produkt-Interaktion: Demo-Anfragen, Free-Trial-Nutzung
  • Event-Teilnahme: Webinare, Workshops, Messen

Third-Party-Intent-Daten (von externen Anbietern):

  • Topic-Research: Sucht der Prospect auf Review-Plattformen nach Lösungen?
  • Wettbewerber-Recherche: Schaut er sich Alternativen an?
  • Content-Consumption: Liest er Branchenpublikationen zu relevanten Themen?
  • Social Listening: Diskutiert er in LinkedIn-Gruppen über Pain Points?

Die wichtigsten Intent-Signale für B2B

Zu den wichtigsten Beispielen für Intent-Signale gehören: Website-Besuche auf spezifischen Produktseiten oder Ressourcen-Bereichen signalisieren tieferes Engagement, Content-Downloads von Whitepapers oder Case Studies zeigen starken Wunsch mehr zu erfahren, Engagement mit spezifischem Content wie Blog-Posts oder Webinaren zeigt aktive Recherche, Social-Media-Aktivität und die Recherche von Wettbewerber-Content bieten wertvolle Einblicke.

Aber nicht alle Intent-Signale sind gleich wertvoll. Hier ist eine Hierarchie:

Intent-Level Signale Interpretation
High Intent Pricing-Seite besucht, Demo angefragt, Produktvergleich durchgeführt, ROI-Rechner genutzt Kaufentscheidung steht kurz bevor
Medium Intent Case Studies gelesen, Webinar besucht, mehrere Blog-Artikel konsumiert, E-Mail-Engagement Aktive Evaluierung von Lösungen
Low Intent Einzelner Blog-Besuch, Newsletter-Anmeldung, einmaliger Website-Besuch Beginnende Awareness, noch keine Kaufabsicht

Intent-basiertes Scoring in der Praxis

Intent-Daten können Lead-Scoring-Prozesse für Marketing- und Sales-Teams verbessern, die Sales-Qualified Leads identifizieren wollen – so können Sie es nutzen, um High-Intent-Prospects zu priorisieren und Outreach-Bemühungen auf spezifische Bedürfnisse zuzuschneiden, indem Sie Intent-Daten mit bestehenden Lead-Scoring-Modellen integrieren, was hilft, SQLs genauer zu identifizieren und Ergebnisse zu verbessern.

Ein praktisches Beispiel: Ein SaaS-Unternehmen nutzt folgendes Intent-Scoring:

  • Pricing-Seite besucht: +25 Punkte (High Intent)
  • Case Study >3 Min. gelesen: +15 Punkte (Medium Intent)
  • Produktvergleichs-Guide heruntergeladen: +20 Punkte (High Intent)
  • Webinar besucht: +10 Punkte (Medium Intent)
  • E-Mail mit Produktinfo geklickt: +5 Punkte (Low Intent)
  • Third-Party: Recherche auf G2/Capterra: +30 Punkte (Very High Intent)

Threshold für „Sales Ready“: 50 Punkte innerhalb von 7 Tagen.

Der entscheidende Vorteil: Timing

Intent-Signale haben eine kurze Haltbarkeit und werden oft innerhalb weniger Wochen weniger relevant – Timing ist entscheidend; wenn Sie schnell auf die Daten reagieren, können Sie Prospects engagieren, während ihr Interesse am höchsten ist und bevor sie einen Wettbewerber wählen.

Intent-basierte Qualifizierung erlaubt es Ihnen, in dem Moment zuzuschlagen, in dem Ihr Prospect am empfänglichsten ist. Nicht drei Wochen später, wenn er bereits woanders unterschrieben hat.

Das ist der Game-Changer.

Hybride Ansätze: Marketing und Sales gemeinsam am Steuer

Account-Based-Scoring ist mächtig. Intent-basierte Qualifizierung ist präzise. Aber es gibt noch einen dritten Weg, der vielleicht der pragmatischste ist: Hybride Ansätze, bei denen Marketing und Sales gemeinsam die Qualifizierungs-Kriterien definieren.

Die Grundidee: Statt Marketing die MQL-Definition und Sales die SQL-Definition festlegen zu lassen, arbeiten beide Teams von Anfang an zusammen.

Das Sales-Marketing-Alignment-Problem

In der Theorie haben Sales und Marketing denselben Zweck: Die richtigen Käufer mit den richtigen Lösungen zu verbinden – in der Praxis bleibt diese Beziehung oft hinter ihrem Potenzial zurück, besonders wenn Marketing sich auf Lead-Generierung fokussiert und Sales auf Lead-Conversion, gemessen an unterschiedlichen KPIs, wobei das klassische MQL-Problem entsteht: Marketing generiert unzählige MQLs, die auf dem Papier vielversprechend aussehen, aber nicht konvertieren, weil Sales sie als irrelevant ansieht.

Das kennen Sie vielleicht aus eigener Erfahrung:

  • Marketing feiert 500 MQLs im Monat
  • Sales kontaktiert davon vielleicht 100
  • Von denen werden 10 zu Opportunities
  • Marketing ist frustriert („Sales arbeitet unsere Leads nicht ab!“)
  • Sales ist frustriert („Marketing liefert uns Schrott!“)

Die Lösung? Gemeinsame Definitionen und Prozesse von Anfang an.

Gemeinsame Lead-Qualifizierungs-Frameworks entwickeln

Der hybride Ansatz funktioniert so:

Schritt 1: Gemeinsame Workshop-Sessions

Sales und Marketing müssen sich darauf einigen, wen sie ansprechen und wie diese Menschen Kaufentscheidungen treffen – das bedeutet, gemeinsam ein Ideal Customer Profile (ICP) zu definieren und die vollständige Buyer Journey zu mappen, sodass Marketing die richtige Zielgruppe mit dem richtigen Content anzieht und Sales Leads mit Kontext, Vertrauen und Relevanz ansprechen kann, was zu einem reibungsloseren Handoff, besserem Engagement und schnellerer Pipeline-Bewegung führt.

In diesen Sessions klären Sie:

  • Wer ist unser idealer Kunde? (Gemeinsames ICP)
  • Welche Signale zeigen echtes Kaufinteresse?
  • Wann ist ein Lead „reif“ für Sales-Kontakt?
  • Welche Informationen braucht Sales, um erfolgreich zu sein?

Schritt 2: Service-Level Agreements (SLAs) zwischen den Teams

Ein Service-Level Agreement (SLA) zwischen Sales und Marketing formalisiert die Beziehung, indem es Erwartungen auf beiden Seiten festlegt – zum Beispiel verpflichtet sich Marketing, eine bestimmte Anzahl qualifizierter Leads pro Monat zu liefern, während Sales sich verpflichtet, innerhalb eines definierten Zeitrahmens zu folgen und Feedback zur Lead-Qualität zu geben, was Mehrdeutigkeit reduziert, Verantwortlichkeit verbessert und eine Kultur der Zusammenarbeit fördert.

Ein typisches SLA könnte beinhalten:

  • Marketing verpflichtet sich: 150 qualifizierte Leads pro Monat zu liefern, die den gemeinsam definierten Kriterien entsprechen
  • Sales verpflichtet sich: Jeden Lead innerhalb von 24 Stunden zu kontaktieren und Feedback zu geben
  • Gemeinsames Commitment: Wöchentliche Review-Meetings zur Lead-Qualität

Schritt 3: Gemeinsame Metriken etablieren

Statt einfach Leads oder Website-Besuche zu tracken, sollten Sie KPIs wie Lead-zu-Kunden-Conversion-Rate (wie effizient Leads von Marketing zu Sales konvertieren) und Pipeline Velocity (durchschnittliche Zeit, die ein Lead benötigt, um Kunde zu werden) überwachen.

Beide Teams messen sich an:

  • Qualified Lead → Opportunity Conversion Rate
  • Opportunity → Customer Conversion Rate
  • Durchschnittliche Time-to-Close
  • Pipeline-Wert aus Marketing-Aktivitäten
  • Customer Acquisition Cost (CAC)

Der Impact von Alignment

Die Zahlen sprechen für sich:

Conversions von Ziel-Buying-Groups zur Pipeline sind konsistent besser, wenn Marketing den Sales-Prozess unterstützt.

Konkret bedeutet das:

  • Höhere Lead-Qualität:
    Wenn Teams aligned sind, kann Marketing sich darauf konzentrieren, hochqualitative Leads zu generieren, die die von Sales gesetzten Kriterien erfüllen, sodass Sales-Teams keine Zeit mit irrelevanten Prospects verschwenden müssen, wobei ein signifikanter Anteil der Sales-Profis eine Lead-Qualitäts-Verbesserung sieht, wenn ihre Sales- und Marketing-Teams aligned sind.
  • Kürzere Sales Cycles:
    Effiziente Handoffs zwischen Sales und Marketing reduzieren die Zeit zum Dealabschluss, da Marketing qualifizierte Leads (MQLs) liefert und Sales mit personalisiertem Outreach folgt, sodass sich der Käufer schneller durch den Sales Funnel bewegt.
  • Höherer Revenue:
    Alignment führt zu höheren Conversion-Raten und größeren Deal-Sizes, wobei verschiedene Studien zeigen, dass Unternehmen mit aligned Sales und Marketing signifikant mehr Revenue erzielen.

Praktisches Beispiel: ZoomInfo’s Erfolg

ZoomInfo hatte lange mit warmen MQLs gekämpft und konnte die Conversion-Rate trotz verschiedener Ansätze nicht über 4% bringen – zur Alignment ihrer Sales- und Marketing-Teams schuf ZoomInfo eine Sales-Rolle, die zu 100% darauf fokussiert war, warme Marketing-Qualified Leads anzurufen, wodurch die Conversion-Rate von 4% auf 15% stieg, mit einem Sweet Spot bei 150 Anrufen pro Tag.

Das ist fast eine Vervierfachung der Conversion-Rate. Nur durch besseres Alignment und klare Prozesse.

Die Rolle von RevOps

Revenue Operations (RevOps) ist ein strategischer Ansatz, der Sales-, Marketing- und Customer-Success-Teams vereint, indem Prozesse, Daten und Technologie optimiert werden, um konsistentes Revenue-Wachstum zu fördern – es verbessert Alignment, indem es Silos aufbricht und sicherstellt, dass alle Teams Ziele und Metriken teilen, was Zusammenarbeit und Entscheidungsfindung verbessert.

RevOps fungiert als „Schiedsrichter“ zwischen Marketing und Sales und sorgt dafür, dass beide Teams an einem Strang ziehen.

Fallstudien: Wie Unternehmen ihre Pipeline optimiert haben

Genug Theorie. Schauen wir uns an, wie echte Unternehmen diese Ansätze implementiert haben – und welche Ergebnisse sie damit erzielt haben.

Case Study 1: SaaS-Unternehmen steigert Conversion um 43%

Innerhalb von sechs Monaten verbesserte das Unternehmen seine Conversion-Rate um 43% und verkürzte seinen Sales Cycle um fast ein Viertel – diese Art von Transformation ist kein Traum, sondern das Ergebnis von intentionalem Alignment.

Ausgangssituation:

  • MQL-zu-SQL-Conversion: 8%
  • Durchschnittlicher Sales Cycle: 120 Tage
  • Marketing und Sales arbeiteten mit unterschiedlichen Definitionen
  • Leads fielen regelmäßig durchs Raster

Implementierte Maßnahmen:

  1. Gemeinsame Workshop-Sessions zur ICP-Definition
  2. Intent-Scoring zusätzlich zu demografischem Scoring eingeführt
  3. SLA zwischen Marketing und Sales etabliert
  4. Wöchentliche Pipeline-Review-Meetings
  5. Shared Dashboard für beide Teams

Ergebnisse nach 6 Monaten:

  • MQL-zu-SQL-Conversion: 15% (↑87%)
  • Durchschnittlicher Sales Cycle: 90 Tage (↓25%)
  • Pipeline-Wert: +156%
  • Sales Zufriedenheit mit Lead-Qualität: Von 42% auf 78%

Case Study 2: Technologie-Unternehmen mit Product-Led-Growth

SoftTechCo verließ sich traditionell auf ein Marketing-Qualified-Lead-Modell, wobei ihr Marketing-Team Leads basierend auf Website-Besuchen, Content-Downloads und Unternehmensfit bewertete, was bestimmte, ob ein Lead an Sales übergeben wurde – bis 2024 bemerkten sie ein Problem: Obwohl sie viele MQLs generierten, beschwerte sich Sales, dass viele „heiße“ Leads nicht kaufbereit oder schlecht passend waren, mit enttäuschenden Conversion-Raten von nur etwa 5% von MQLs zu SQLs.

Ausgangssituation:

  • Freemium-Modell mit 10.000+ Trial-Usern pro Monat
  • MQL-zu-SQL-Conversion: 5%
  • Problem: Trial-Nutzung wurde nicht in Qualifizierung einbezogen
  • Sales kontaktierte Leads basierend auf Form-Submissions, nicht auf Produkt-Nutzung

Implementierte Maßnahmen:

  1. Product-Usage-Scoring eingeführt (Product Qualified Leads – PQLs)
  2. Trigger definiert: z.B. „5+ Team-Mitglieder eingeladen“ oder „Premium-Feature 3x genutzt“
  3. Kombination aus Fit-Score, Intent-Score und Product-Usage-Score
  4. Sales erhält Kontext zu Produkt-Nutzung vor Kontaktaufnahme

Ergebnisse:

  • PQL-zu-SQL-Conversion: 28% (vorher MQL-zu-SQL: 5%)
  • Trial-zu-Paid-Conversion: +120%
  • Average Deal Size: +35% (weil höher-engagierte User kontaktiert wurden)
  • Sales Produktivität: +40% (weniger Zeit mit unqualifizierten Leads)

Case Study 3: B2B-Dienstleister mit Account-Based-Approach

Ausgangssituation:

  • Target Accounts: 500 Enterprise-Unternehmen
  • Problem: Einzelne Kontakte wurden qualifiziert, aber Buying Committee nicht erkannt
  • Viele Opportunities stagnierten, weil wichtige Stakeholder nicht involviert waren

Implementierte Maßnahmen:

  1. Wechsel von Lead-basiertem zu Account-basiertem Scoring
  2. Account-Engagement-Tracking über alle Stakeholder hinweg
  3. Multi-Threading: Bewusste Ansprache verschiedener Rollen im Buying Committee
  4. Intent-Daten zur Identifizierung von „Hot Accounts“

Ergebnisse:

  • Account-zu-Opportunity-Conversion: +40%
  • Opportunity-zu-Win-Rate: +32% (weil vollständiges Buying Committee involviert)
  • Average Deal Size: +58% (mehr Stakeholder = größere Deals)
  • Sales Cycle verkürzt um 18% (weniger Rückschleifen)

Was diese Fallstudien gemeinsam haben

Drei Erfolgsfaktoren tauchen in allen Cases auf:

  1. Weg von starren Definitionen: Alle Unternehmen haben sich von „One-Size-Fits-All“-MQL-Definitionen verabschiedet
  2. Verhaltensbasierte Signale: Intent-Daten und tatsächliches Verhalten wurden wichtiger als demografische Checkboxen
  3. Sales-Marketing-Alignment: Gemeinsame Definitionen, Metriken und Prozesse waren entscheidend

Die Verbesserungen liegen durchweg zwischen 30% und 120% – je nach Ausgangssituation und implementierten Maßnahmen.

Aber wie fangen Sie an?

Implementierung: Erste Schritte zur flexiblen Lead-Qualifizierung

Sie sind überzeugt, dass Ihr aktuelles MQL/SQL-Modell nicht optimal ist. Sie sehen das Potenzial alternativer Ansätze. Aber wo fangen Sie an?

Hier ist ein pragmatischer Fahrplan für die nächsten 90 Tage.

Phase 1: Analyse und Alignment (Woche 1-3)

Schritt 1: Aktuelle Performance verstehen

Bevor Sie etwas ändern, müssen Sie Ihre Baseline kennen:

  • Wie viele MQLs generieren Sie monatlich?
  • Wie hoch ist Ihre MQL-zu-SQL-Conversion?
  • Wie hoch ist Ihre SQL-zu-Opportunity-Conversion?
  • Wie lange dauert der durchschnittliche Sales Cycle?
  • Wo gehen die meisten Leads verloren?

Beginnen Sie damit, Ihren aktuellen Lead-Qualifizierungs-Prozess zu analysieren – schauen Sie sich Conversion-Raten an und sammeln Sie Feedback von Ihrem Sales-Team, um Bereiche zu identifizieren, die Verbesserung brauchen.

Schritt 2: Sales und Marketing an einen Tisch bringen

Organisieren Sie einen halbtägigen Workshop mit beiden Teams:

  • Präsentieren Sie die aktuellen Zahlen
  • Diskutieren Sie: Wo liegen die größten Schmerzpunkte?
  • Fragen Sie Sales: Was macht einen Lead wirklich qualifiziert?
  • Fragen Sie Marketing: Welche Signale sehen wir, die Sales nicht nutzt?

Das Ziel: Ein gemeinsames Verständnis des Problems schaffen.

Schritt 3: Quick Wins identifizieren

Nicht alles muss sofort revolutioniert werden. Suchen Sie nach schnellen Verbesserungen:

  • Gibt es High-Intent-Signale, die Sie heute schon tracken, aber nicht nutzen?
  • Können Sie Ihr Lead-Scoring um 2-3 Intent-Signale ergänzen?
  • Gibt es offensichtliche Lücken in der Kommunikation zwischen den Teams?

Phase 2: Pilot-Implementierung (Woche 4-8)

Schritt 4: Neues Qualifizierungs-Framework definieren

Wählen Sie ein Qualifizierungs-Framework, das zu Ihrem Geschäftsmodell passt, wie BANT oder MEDDIC, und passen Sie es an, um Ihre spezifischen Kriterien einzubeziehen, wobei Sie sowohl demografische als auch verhaltensbezogene Aspekte für Lead-Scoring berücksichtigen, basierend auf Insights von Ihrem Sales-Team.

Entscheiden Sie sich für einen Ansatz:

  • Option A: Intent-Layer hinzufügen (einfacher Start)
  • Option B: Account-Based-Scoring einführen (mittlerer Aufwand)
  • Option C: Hybrid-Modell mit gemeinsamen Kriterien (höchster Impact, höherer Aufwand)

Für die meisten mittelständischen B2B-Unternehmen empfehlen wir: Option A als Start, dann graduelle Erweiterung zu Option C.

Schritt 5: Pilot mit einer Teilmenge starten

Testen Sie das neue Framework zunächst mit:

  • Nur einer Lead-Quelle (z.B. Website-Leads)
  • Nur einem Produkt oder einer Dienstleistung
  • Nur einem Teil Ihres Sales-Teams

Das reduziert Risiken und erlaubt schnelles Lernen.

Schritt 6: Technologie anpassen

Sie brauchen keine teure neue Software. Beginnen Sie mit dem, was Sie haben:

  • CRM (Salesforce, HubSpot, etc.): Passen Sie Lead-Scoring-Regeln an
  • Marketing Automation: Integrieren Sie neue Trigger basierend auf Intent-Signalen
  • Analytics: Stellen Sie sicher, dass Sie Website-Verhalten tracken können

Unternehmen, die Lead-Scoring- und Qualifizierungs-Software nutzen, erreichen höhere ROIs im Vergleich zu jenen, die manuell arbeiten – in 2025 steht eine Vielzahl von Technologien zur Verfügung, von KI-gestützten Scoring-Systemen bis zu Intent-Daten-Anbietern, um B2B-Teams zu helfen, smarter und schneller zu qualifizieren.

Phase 3: Optimierung und Skalierung (Woche 9-12)

Schritt 7: Ergebnisse messen und iterieren

Nach 4 Wochen Pilot-Phase:

  • Vergleichen Sie Conversion-Raten: Pilot-Gruppe vs. Kontroll-Gruppe
  • Sammeln Sie qualitatives Feedback von Sales
  • Identifizieren Sie, was funktioniert und was nicht
  • Passen Sie das Framework an

Schritt 8: Schrittweise Skalierung

Wenn der Pilot erfolgreich war:

  • Erweitern Sie auf weitere Lead-Quellen
  • Bringen Sie weitere Sales-Team-Mitglieder an Bord
  • Verfeinern Sie kontinuierlich Ihre Scoring-Kriterien

Überprüfen Sie Conversion-Metriken quartalsweise, gewichten Sie Lead-Scores basierend auf realen Ergebnissen neu und verfeinern Sie Workflows basierend auf SDR-Feedback und Signal-Trends.

Schritt 9: Institutionalisieren Sie das neue System

Nach 90 Tagen:

  • Dokumentieren Sie Ihr neues Framework
  • Schulen Sie alle relevanten Teams
  • Etablieren Sie regelmäßige Review-Prozesse
  • Feiern Sie die Erfolge gemeinsam

Die wichtigsten Erfolgsfaktoren

1. Executive Buy-In sichern

Ohne Unterstützung von oben wird jede Veränderung schwer. Präsentieren Sie Geschäftsführung oder Führungsebene die Business-Case-Zahlen (siehe Pipeline-Wert-Vergleich weiter oben).

2. Beide Teams gleichberechtigt einbeziehen

Account Scoring wird scheitern, wenn es als „Nur-Marketing“-Übung gesehen wird – für Erfolg brauchen Sie frühes Buy-In von jedem Team, das Revenue berührt: Sales, SDRs, RevOps, Marketing und Leadership, was bedeutet, zu diskutieren, welche Signale am wichtigsten sind, wie sie gewichtet werden sollten und welche Schwellenwerte ein Marketing Qualified Account (MQA) definieren.

3. Klein anfangen, groß denken

Sie müssen nicht am Tag 1 Ihr komplettes System umkrempeln. Beginnen Sie mit einem Pilot, lernen Sie, iterieren Sie.

4. Technologie ist Enabler, nicht Lösung

Die besten Tools der Welt helfen nicht, wenn Sales und Marketing nicht aligned sind. Prozess geht vor Technologie.

5. Geduld haben

Veränderung braucht Zeit. Rechnen Sie mit 3-6 Monaten, bis das neue System reibungslos läuft.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Hauptunterschied zwischen MQL und SQL?

Ein Marketing-Qualified Lead (MQL) hat Interesse an Ihrem Angebot gezeigt (z.B. durch Formular-Ausfüllung oder Content-Download) und erfüllt grundlegende demografische Kriterien. Ein Sales-Qualified Lead (SQL) wurde zusätzlich von Sales verifiziert, zeigt konkrete Kaufabsicht und erfüllt Budget-, Authority- und Timeline-Kriterien. Das Problem: Diese starre Trennung ignoriert oft wichtige Kontext-Signale und führt zu Reibungsverlusten.

Wie hoch sollte eine gute MQL-zu-SQL-Conversion-Rate sein?

Die durchschnittliche MQL-zu-SQL-Conversion-Rate liegt bei etwa 13%, wobei Top-Performer mit fortgeschrittenem Lead Scoring und schnellem Follow-up Raten von bis zu 40% erreichen.
Wenn Sie deutlich unter 10% liegen, gibt es wahrscheinlich Verbesserungspotenzial bei Lead-Qualität oder Follow-up-Prozessen.

Was ist Account-Based-Scoring?

Account-Based-Scoring bewertet nicht einzelne Kontakte, sondern ganze Unternehmen (Accounts) basierend auf aggregierten Signalen aller Stakeholder. Es kombiniert Fit-Score (passt das Unternehmen zu unserem ICP?), Intent-Score (zeigt es Kaufinteresse?) und Engagement-Score (wie intensiv ist die Interaktion?). Besonders wertvoll im B2B, wo Kaufentscheidungen von Buying Committees getroffen werden.

Wie funktioniert Intent-basierte Qualifizierung?

Intent-basierte Qualifizierung nutzt Verhaltens-Signale, um Kaufbereitschaft zu messen. First-Party-Intent-Daten (z.B. Pricing-Seiten-Besuche, Demo-Anfragen, wiederholte Website-Besuche) werden mit Third-Party-Intent-Daten (z.B. Recherche auf Review-Plattformen, Wettbewerber-Vergleiche) kombiniert. Der Fokus liegt auf „Was tut der Prospect gerade?“, nicht „Erfüllt er unsere Checkliste?“.

Brauchen wir neue Software für flexiblere Lead-Qualifizierung?

Nicht unbedingt. Die meisten modernen CRM- und Marketing-Automation-Systeme (HubSpot, Salesforce, Marketo etc.) unterstützen bereits Intent-basiertes Scoring und Account-Level-Tracking. Der Schlüssel liegt weniger in neuer Technologie als in neuen Prozessen und Alignment zwischen Sales und Marketing. Starten Sie mit Ihren vorhandenen Tools und erweitern Sie bei Bedarf.

Wie überzeugen wir Sales und Marketing von einem neuen Ansatz?

Zeigen Sie die Zahlen: Präsentieren Sie aktuelle Conversion-Raten, verlorene Pipeline und verschwendete Ressourcen. Rechnen Sie vor, welcher zusätzliche Pipeline-Wert durch bessere Qualifizierung möglich wäre. Beginnen Sie mit einem gemeinsamen Workshop, in dem beide Teams ihre Frustrationen teilen können. Starten Sie dann mit einem kleinen Pilot, um Quick Wins zu demonstrieren.

Wie lange dauert die Implementierung eines neuen Qualifizierungs-Frameworks?

Für einen initialen Pilot rechnen Sie mit 4-6 Wochen. Für eine vollständige Implementierung über alle Teams und Lead-Quellen hinweg realistischerweise 3-6 Monate. Der Schlüssel ist, klein zu starten, schnell zu lernen und iterativ zu skalieren, statt alles auf einmal zu verändern.

Was sind die häufigsten Fehler bei der Umstellung?

Die drei größten Fehler: 1) Zu viel auf einmal ändern wollen statt mit Pilot zu starten, 2) Technologie vor Prozess priorisieren, 3) Ein Team (meist Marketing) das neue System definieren lassen ohne echtes Sales-Buy-In. Erfolgreiche Implementierungen beginnen immer mit gemeinsamem Alignment und klaren, einfachen ersten Schritten.

Wie messen wir den Erfolg der neuen Qualifizierungs-Methodik?

Fokussieren Sie sich auf diese Kernmetriken: MQL-zu-SQL-Conversion-Rate, SQL-zu-Opportunity-Conversion-Rate, durchschnittliche Time-to-Close, Pipeline-Wert aus Marketing-Aktivitäten und qualitatives Feedback von Sales zur Lead-Qualität. Vergleichen Sie diese Metriken zwischen Pilot-Gruppe und Kontroll-Gruppe sowie vor und nach der Implementierung.

Funktioniert flexiblere Lead-Qualifizierung auch für kleinere Unternehmen?

Absolut. Gerade kleinere Teams profitieren davon, ihre begrenzten Ressourcen auf die wirklich qualifizierten Leads zu fokussieren. Sie brauchen kein komplexes Account-Based-Marketing-System – beginnen Sie einfach damit, 2-3 wichtige Intent-Signale (z.B. Pricing-Seiten-Besuch, wiederholte Website-Besuche) in Ihr Scoring aufzunehmen und Sales-Marketing-Meetings zu etablieren.

Sollten wir MQL/SQL komplett abschaffen?

Nicht unbedingt die Begriffe abschaffen, aber die starren Definitionen hinterfragen. Viele erfolgreiche Unternehmen nutzen weiterhin MQL/SQL als Stages in ihrer Pipeline, definieren diese aber flexibler: Ein „SQL“ ist nicht mehr „hat Formular ausgefüllt + 50 Punkte“, sondern „zeigt klare Kaufsignale + passt zum ICP + hat mit uns interagiert“. Die Terminologie ist weniger wichtig als die Flexibilität der Kriterien.

Takeaways